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All inclusive

Als Reisender erwartet man bei Buchung eines "All-inclusive-Urlaubs" in der Regel, dass sämtliche Hotelleistungen kostenlos nutzbar sind. Das ist aber nicht zwingend richtig - denn der Begriff ist gesetzlich nicht definiert. Unter dem Begriff "All inclusive", in Reisekatalogen oft mit AI abgekürzt, versteht man i.a. eine Reise, bei der sämtliche Mahlzeiten sowie ortsübliche Getränke (alkoholische und nichtalkoholische) und oft auch Sportmöglichkeiten im Reisepreis enthalten sind. Es ist durchaus möglich, dass importierte Getränke oder à la carte Gerichte gesondert zu bezahlen sind. Da es keinen allgemein festgelegten Leistungsumfang für einen "All inclusive" Urlaub gibt, kann das individuelle Angebot sich von Anbieter zu Anbieter unterscheiden - mal erhält man mehr Leistungen (Kaffee und Kuchen, Miternachtsbuffet, Snacks), mal weniger. Der genaue Leistungsumfang wird in den Reiseunterlagen genannt - was in diesen nicht aufgeführt wird, gehört auch nicht zum Leistungsumfang.
Es ist zulässig, den Ausschank von Getränken zeitlich zu beschränken. Gleiches gilt auch für die Mahlzeiten oder Sportmöglichkeiten.
Erwartet werden kann vom Reisenden indes, dass bezahlte Leistungen auch reibungslos zur Verfügung stehen. Ist der Getränkeservice z.B. nur durch Trinkgeld zu motivieren, liegt ein Reisemangel vor, der zu einer Minderung des Reisepreises i.H.v. 5% berechtigt (AG Köln - Az: 122 C 171/00).

Aus der Rechtsprechung haben sich gewisse Mindestleistungen ergeben, die man als Reisender in jedem Fall erwarten kann. Auch wenn man es kaum glauben mag - selbst die Frage ob ein Mittagessen zum "All-inclusive-Urlaub" gehört wurde bereits gerichtlich entschieden. Das AG Leipzig hat hierzu entschieden, dass auf jeden Fall ein Mittagessen sowie alle anderen ganz üblicherweise zum Tageskreis ihrer Kunden gehörende Mahlzeiten Bestandteil eines "All-inclusive-Angebots" ist (AG Leipzig, 24.11.2010 - Az: 109 C 5850/09). Es kann auch erwartet werden, dass die angebotene Menge an Getränken zur Deckung des täglichen Getränkebedarfs genügt und alle reisevertraglich zugesicherten Getränke kostenlos erhältlich sind (AG Berlin-Charlottenburg, 16.7.2012 - Az: 233 C 165/10). Es ist bei solchen Reisen im übrigen auch mit einem erhöhten Alkoholkonsum zu rechnen, da diese ebenfalls üblicherweise zum Leistungsumfang gehören. Belästigungen, die aus dem erhöhten Alkoholkonsum herrühren sind daher kein Mangel (LG Kleve, 23.11.2000 - Az: 6 S 369/00).

Die Buchung eines All-Inklusive-Angebots bedeute keinen höheren Standard bei der Verpflegung. Es genügt, wenn regelmäßig ein Fleisch- und ein Fischgericht angeboten werden. Auch sofern nur eine Sorte Eier, Käse und Wurst beim Frühstück angeboten worden sein soll, so ist dies nicht geeignet eine Reisepreisminderung zu begründen. Dies geht aus einer Entscheidung des AG München hervor (AG München, 10.9.2009 - Az: 222 C 13094/09), bei dem auch gleichzeitig klargestellt wurde, dass das Tragen von All-Inklusive-Armbändern keine Beeinträchtigung darstellt. Die so vorgenommene Gästekennzeichnung ist, auch wenn es sich um ein billiges Plastikarmband handelt, keine herabwürdigende Behandlung der Reisenden (ebenso AG Bad Homburg - Az: 2 C 276/99 (22); im Gegensatz zur Entscheidung des LG Frankfurt/Main, 19.8.1999 - Az: 2/24 S 341/98).

Als Reisender kann zudem auf jeden Fall erwartet werden, dass alle (!) im Katalog als Leistungsbestandteil genannten Leistungen auch tatsächlich erbracht werden.

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